Gezeiten
     
 
Entstehung der Idee
Seit 1983 habe ich immer wieder S8-Filmaufnahmen gedreht. Dieses Material weist nicht die Kontinuität eines Filmtagebuches auf, sondern sind Momentaufnahmen von Lebensgefühlen, die mich in der Vergangenheit prägten. Dieses Material lag bis anhin ungenützt in meinen Archiv, entstanden neben meinen grösseren, - man könnte fast sagen - offiziellen Filmen.

Nach der Fertigstellung von meinem langen Dokumentarfilm "Der Duft des Geldes", der mich über drei Jahre lang beschäftigte, habe ich 1999 die vergangenen fünfzehn Jahre Filmarbeit seit "Spuren der Trauer" überdacht und suchte für mich neue Impulse und Wege. Mit der Videoarbeit "Gezeiten", die vom "altem" S8-Filmmaterial als Rohstoff ausgeht,

 
suchte ich den Schnittpunkt zwischen den beiden Medien Film und Video.

Als ich das alte S8-Filmmaterial betrachtete, entstand eine eigenartige Mischung zwischen vertraut und bekannt und neugierigem Blick von aussen, distanzierter, auf das eigene Material. Obwohl ich in meinem aktuellen Leben an einem anderen Punkt stehe, sind die vergangenen Zeiten der Trauer, die aus dem Material sprechen, als aktive Erinnerung präsent.

Filmische Werkstatt
Dank dem grosszügigen Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums erhielt ich die Möglichkeit, ohne grosse schriftliche Projektentwicklung direkt am Schneidetisch, in permanenter Auseinandersetzung
 
mit dem konkreten Material, den Film aus sich heraus zu gestalten. Ich ging nicht mit einem vordefinierten Konzept an die Montage, sondern das Material selber begann aus sich heraus zu "sprechen". Das primäre Thema des kurzen Films, die Trauer und dahinter auch die tiefsitzende Angst vor dem Tod, ergab sich für mich eher "widerwillig". Das Material hat es mir aufgezwungen. Offensichtlich - immer wenn ich sogenannt "ziellos" filmte - kam eine innere Seite von mir zum Ausdruck, die ich in ihrer Bedeutung und Deutlichkeit erst bei der Montage 1999 erkannte.






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