Hinterland   eine Vater/Sohn-Geschichte
     
 
Gedanken des Autors

1985 ging ich mit meinem eigenen Vater auf eine mehrtägige Wanderung. Endlich wollte ich einmal all das besprechen, was wir zusammen früher nie angegangen waren. Er war ja immer abwesend. Wir erreichten einiges an Gesprächen zusammen, doch das Wichtigste war einfach das Zusammensein, einmal ungestört Zeit zu haben. Allerdings spürte ich sehr stark die Grenzen unserer Beziehung und was alles an Auseinandersetzung nicht möglich war.
1986 bekam ich einen Sohn, wurde also selber zum Vater. Wie von selbst wuchs in mir der Gedanke, dass ich einen Film drehen musste, welcher die Vater/Sohn-Problematik anpackt, da ich das starke Potential eines solchen Themas spürte.

 
Ich wollte die Beziehung eines beruflich erfolgreichen Mannes mit einem seiner Söhne, einem "Bewegten" der 80er-Jahre von Zürich, aufzeigen.
Ich bin davon ausgegangen, dass ich keine "speziellen" Leute auswähle, sondern eigentlich ganz normale Verhältnisse zu beschreiben versuche. Selbstverständlich reizte mich bei meiner Arbeit aber nicht nur das Einzigartige, welches bei näherem Hinschauen auch das "Normale" zeigt, sondern auch das allgemein Typische, welches sich hinter den persönlichen Leben verbirgt. Darin spiegelt sich der ethnologische Ansatz des Films. In dem persönlichen Erleben zweier Menschen zeigt sich sehr viel Allgemeingültigeres, zeigen sich Zeitströmungen und gesellschaftliche Entwicklungen. Eine "Geschichte von unten" soll
 
also nicht leeres Schlagwort bleiben oder sein, sondern Gestalt in dem subjektivem Erleben zweier Personen finden.
Hinterland ist ein Dokumentarfilm, der in keiner einzigen Szene etwas beobachtet, was auch unabhängig vom Film sich entwickeln würde, sondern alles wurde für den Film "inszeniert". Vater Elber und sein Sohn hätten sich ohne den Anreiz des Filmes nie auf eine solch intensive Auseinandersetzung eingelassen. "Zufälligerweise" traf sich ein Anliegen von mir als Filmemacher mit den angelegten Interessen zweier Männer, ein noch sehr unausgelebtes Beziehungspotential mit konkreten Erfahrungen zu füllen. Ihre Beziehung zueinander hat sich tatsächlich verändert. So gesehen würde ich "Hinterland" als einen intervenierenden Dokumentarfilm bezeichnen.