Preis der Angst
 
 
Ein Film gegen die Bundessicherheitspolizei

"Preis der Angst" ist ein Collagefilm, eine Montage aus Materialien zur Geschichte der Idee eines nationalen Repressionsinstrumentes des Staates gegen oppositionelle Kräfte.

Er zeigt mit Dokumenten aus dem Hintergrund, wie sich die Pläne hierzu bereits 1923 nach dem Massaker der Armee gegen Anti-Nazi-Demonstrationen gebildet haben, und sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Auseinandersetzung zwischen dem Staat und seinen Oppositionellen hindurchgezogen haben. Als IMP und Busipo wurden sie konkret und gehören, obwohl mit Konferenzschutz und Antiterrorismus begründet, zum Jura-Konflikt, zu Kaiseraugst, zu Gösgen und zu den Arbeitskonflikten.

Der Film auf die Abstimmung hin konzipiert, soll klar machen, worüber wirklich abgestimmt wird: niemand soll es nicht "gewusst" haben. Die Busipo ist nicht eine Einzelmassnahme zur Straffung und Zentralisierung von Disziplinierungs- und Überwachungsinstrumenten: Verschärfung des Demonstrationsrechtes, Legalisierung von Überwachung und Bespitzelung, Kantonale Demonstrationspolizeien usw.

Im Film kommen jene Betroffenen zu Wort, deren Probleme jetzt "weggesichert" anstatt gelöst werden sollen: AKW-Gegner, Gewerkschafter und auch politische Randgruppen. Dass es dabei nicht um utopische Visionen geht, belegen die Aussagen jener, welche Dank der veränderten Strategie bereits ein solches Stück "Zukunft Schweiz" zu spüren bekommen haben.

Die Abstimmung über die Busipo - eine "glückliche" Regie - kommt in eine Phase, in der allgemeine Terrorhysterie kritische Überlegungen zur inneren Sicherheit in der Schweiz zum vornherein ersticken soll. Kommt in einer Athmosphäre, in der mit Empfänglichkeit für jegliche Massnahmen gegen den "finsteren Feind" gerechnet werden kann. Dabei geht leicht die Tatsache unter, dass die Idee zur Busipo älter ist als der Terrorismus und dabei auch nicht hauptsächlich gegen diesen zielt.

Zürich, 14. Oktober 1978 S8-Filmgruppe Zürich


Zur Produktion von "Preis der Angst"

Video und Super 8 sind - auch Dank des neuerlichen Würgegriffs der Filmförderung - vermehrt in Diskussion geraten. "Preis der Angst" soll über seinen politischen Anspruch hinaus auch ein Beitrag zur Abklärung der spezifischen Möglichkeiten dieser Medien sein.

Mit "Lieber Herr Doktor" wurde in der Schweiz erstmals die Möglichkeit vorexerziert, mit einem Film direkt in die unmittelbare politische (Abstimmungs-) Realität einzugreifen. Dass dabei auch neue Produktionsformen erprobt wurden - grosse Produktionsgruppen mit Nichtfilmern, breite Finanzierung durch Interessenten, begleitete Vorführungen, - stellt einen weiteren entscheidenden Beitrag zur Debatte über Filmproduktion dar.

Der Busipo-Film greift einige dieser Erfahrungen auf und soll sie weiterführen. In kurzer Zeit billige Filme zur Aktualität zu produzieren, ist ein Postulat, dass unter den gegebenen materiellen Bedingungen und auch in politischer Hinsicht wichtiger wird. Hat der Schwangerschaftsfilm noch spät seine Abhängigkeit durch die Verweigerung der Qualitätsprämie durch Bundesrat Hürlimann zu spüren bekommen, so soll mit dem Busipofilm jetzt ein Produktionsverfahren erprobt werden, dass durch die 10 bis 20 mal kleineren Herstellungskosten die Möglichkeiten bieten könnte, auch Filme zu machen zu Themen (und von Standpunkten aus), die mehr noch als der Schwangerschaftsfilm durch finanzielle Repressalien verhindert worden sind.

Eine einfache Technik bietet aber gleichzeitig auch andere Arbeitsbedingungen an, weil auch aussenstehende "Nichtfilmer" an der unmittelbaren Herstellung beteiligt werden können. So kann sich der Standort der Filmer innerhalb der politischen Auseinandersetzung verändern: Zusammenarbeit mit Gruppen und Institutionen, mit Betroffenen, müssen nicht auf eine theoretische Auseinandersetzung beschränkt bleiben. Andere Möglichkeiten zeichnen sich ab: Neben Szenen aus älteren Dokumentarfilmen ("Krawall", "Kaiseraugst") werden in "Preis der Angst" auch Dokumente von damals beteiligten Super 8-Amateuren verwendet (1. Mai 1971, Frauendemonstration in Fribourg). Was so während Jahren an Super 8 Material zusammengetragen und nicht veröffentlicht wurde, könnte also zu einer Art kollektivem Filmarchiv werden. Es könnte somit bieten, was Cinématèque und Fernsehen entweder durch astronomische Preise schützen oder verweigern: durch eine Perfektionierung der Übertragungstechnik Video auf Super 8 und umgekehrt.

Im Busipofilm wird erst provisorisch und mit gewissen Mängeln ein Spektrum erschlossen, wie es in Paolo Spozios "Unsichtbare Mauern" bereits vordemonstriert wurde. Provisorische Videomontagen werden denkbar, Visionierung auf Videobändern, oder auch breite Streuung von Bandkopien für kleinere Gruppen. Der Gösgenfilm des Filmkollektivs zeigt die Möglichkeit des Aufblasens von Super 8 auf 16mm. Super 8 ist nicht Kinofilm – eine simple Feststellung – aber immer noch stehen bisherige Kinoerfahrungen auch den Filmern im Weg: der Anspruch auf Perfektion, die Form der Sehgewohnheiten. Mit dem Busipofilm sind erst einige der spezifischen formalen Möglichkeiten des Super 8-Formats ausgeschöpft. Um diese voll abzuklären, fehlen uns noch die Erfahrung einer breiten Streuung und einer engagierten Kritik.

Billige Filme, mehr Filme für kleinere Gruppen zu anderen, vielleicht kleineren Problemen. Indem die Filmcooperative den Busipofilm in ihren Verleih übernommen hat, zeigt sie auch, dass es nicht um eine Konkurrenz zum notwendigen "grossen" Film geht; Video und Super 8 erweitern lediglich das Spektrum.

Zürich, 14. Oktober 1978 S8-Filmgruppe Zürich


Schweiz 1978

Dokumentarfilm, 60 Min, S8, Farbe und s/w, Magnetton
Sprache der Originalfassung: Schweizerdeutsch
Kommentar: Deutsch
Produktion: S8-Filmgruppe Zürich
Buch und Regie: S8-Filmgruppe Zürich
Verleih: Filmcoopi Zürich AG