Spuren der Trauer |
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Was ich über den Film "Spuren der Trauer" schreiben würde, wenn ich Filmkritiker wäre Von Richard Dindo, Filmemacher Ein Filmemacher macht seinen ersten, eigenen Film. Er verarbeitet darin die Tragödie seines Lebens: den frühen Verlust seiner Mutter. Er tut es auf eine... deutschschweizer Art, d.h. mit einer entwaffnenden, fast naiven, ja plumpen Offenheit, die alles sagt, alles aufdeckt, auch das Versteckteste, zum Beispiel, dass er sich neben den toten Körper seiner Mutter ins Grab legen möchte. Nicht jeder mag solche Dinge hören. Vielleicht geht der Filmemacher auch zu weit, vielleicht ist er zu direkt, wie man bei uns halt so ist, wenn man um jeden Preis ehrlich sein will. Aber das gehört zu uns, diese Art von |
Ehrlichkeit, die mit den Gefühlen nicht recht umgehen kann, deshalb rasch klotzig wird, unabsichtlich verletzend, dabei selber rasch verletzt ist. Und darüber macht Gränicher nun seinen Film: er wirft seiner toten Mutter vor, dass sie ihn verletzt hat, weil sie ihn so früh verliess, dem Leben aussetzte ohne Schutz, einfach wegging in den Tod, wenn auch nicht freiwillig, aber der stumme Vorwurf ist da, die lebenslängliche Verletztheit, das Leiden dessen, der zu früh, viel zu früh verlassen worden ist. Das alles ist auch eine Provokation. Er geht zu den Toten in die Friedhöfe, lässt jemanden einen Sarg durch die Strassen tragen: er will uns zeigen, woran er leidet, um damit sein Leiden zu überwinden. Er muss es zeigen, |
darüber reden, weil die stumme Mutter ihm nicht mehr sagen konnte, wer er ist. Und er tut es fast bubenhaft-trotzig: ich muss es ihr sagen. Da sie tot ist, kann sie es aber nicht mehr hören, also mache ich einen Film darüber, damit es die anderen hören müssen. Selten noch, noch nie jedenfalls in einem Schweizer Film, ist Trauerarbeit so konsequent formal dargestellt worden wie hier. Ohne Sentimentalität, mit eben dieser eigenartigen Offenheit, Unverstelltheit, Kälte, die eben auch die Kälte in diesem Lande ist. Folgerichtig dann: die Rückkehr in die Jugend, in den Schmerz der verlorenen Kindheit ohne Mutter. Die herbeigesehnte Erinnerung an sie. Jeder Tag überschattet von ihrer Abwesenheit. Fortsetzung auf Seite 2 |
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