Geprüfte Liebe

Dokumentarfilm, Schweiz 2015, 53 Minuten

Zwei Paare sind konfrontiert mit der psychischen Erkrankung eines Partners. Nichts mehr ist selbstverständlich, und das Familienleben mit den Kindern verändert sich zwangsläufig. Übersteht die Paarbeziehung diese anspruchsvolle Herausforderung?

Inhalt

Was geschieht, wenn sich der vertraute Partner, die geliebte Partnerin aus heiterem Himmel auf erschreckende Weise zu verändern beginnt? Wenn eine akute psychische Erkrankung die Beziehung heftig erschüttert und nur noch eines klar ist: dass es nie mehr so sein wird, wie es einmal war.

Dieter Gränicher gibt in seinem neuen Dokumentarfilm zwei Paaren das Wort, denen genau dies widerfahren ist. Sie blicken zurück auf den langen Weg, den sie gegangen sind – durch Abgründe und wieder aus ihnen heraus. Jeder für sich allein und doch zu zweit. Dieter Gränicher begleitet sie in ihrem heutigen Alltag und nimmt sie mit an die Orte von damals: die geschlossenen Abteilungen, Therapieräume und Pärke der psychiatrischen Kliniken. Und er begegnet mittlerweile erwachsenen Kindern, die von ihrem Verhältnis zum Vater berichten, der nach langjähriger stationärer Behandlung seinen Platz in der Familie neu finden musste.

Entstanden ist ein Film von grosser Intimität. In den Gesichtern der Erzählenden spiegeln sich Gefühlslandschaften: Schmerz und Zorn, Trauer und Staunen, Zuversicht und Zärtlichkeit. Und die Hoffnung, dass das Geschehene sich nie mehr wiederholt.

Eine Reflexion über seelische Not und darüber, wie durch die Kraft der Zuneigung aus dem Leid neues Glück wachsen kann.

Zitate

Ich erlebe manchmal auch wieder Krisen. Zuweilen habe ich Angstzustände. Das ist sehr schwierig. Zum Glück konnte ich diese bis jetzt immer durchstehen.

Thomas Mettler, Betroffener

Seine Krankheitseinsicht oder seine Bereitschaft, sich behandeln zu lassen, ist ausserordentlich. Ohne das hätte es kein Familienleben danach gegeben. Wir haben ja gespürt und gesehen, wie er sich bemühte, wieder ins Leben zurückzufinden.

Heidi Mettler, Angehörige

Ich habe immer Angst gekriegt, dass er mich verlassen könnte. Was muss unsere Beziehung noch alles aushalten? Jetzt geht es mir schon wieder nicht gut, und es wird mir nie besser gehen... Was soll das Ganze noch?

Sevérina Kümin, Betroffene

Ich habe diese Beziehung nie aufgegeben! Ich habe immer um diese Beziehung gekämpft. Ich wollte sie nicht verlieren. Ich hätte nicht daran zweifeln dürfen, denn dann wäre ich weggegangen.

Norbert Kümin, Angehöriger

Gedanken des Autors

von Dieter Gränicher

Vor sieben Jahren arbeitete ich an der DVD «Recovery – wie die Seele gesundet», die acht Menschen porträtiert, die über ihren Gesundungsprozess nach einer schweren psychischen Erkrankung erzählen. Filme, die Hoffnung und Mut machen. Dadurch wurde mir bewusst, dass ein Film über Partnerschaften mit einem psychisch Erkrankten wichtig sein könnte. Für die Beziehung entwickelt die Krankheit nämlich eine grosse Sprengkraft und stellt das Paar vor belastende Herausforderungen. Dies kann oft zu Trennungen führen. Andererseits kann es gerade eine solche Liebesbeziehung sein, die dem Erkrankten wieder Stabilität und Zuversicht gibt. Es ist wissenschaftlich untersucht, dass ein gutes soziales Umfeld die Chancen, nicht erneut psychisch zu erkranken, deutlich erhöht.

Vor rund zwei Jahren fand ich den Zeitpunkt gekommen, das Projekt anzugehen. Mir war bewusst, dass ich dabei ein Tabuthema aufgreifen würde. Es ist schon schwierig, in der Öffentlichkeit dazu zu stehen, dass man an einer psychischen Erkrankung leidet. Doch dies in der Kombination mit der Darstellung seiner wichtigsten Beziehungen, zu seinem Partner und seinen Kindern, berührt Intimes und erfordert von mir als Filmemacher viel Respekt und Einfühlsamkeit. Deshalb führte ich während der Recherche mit vielen Angehörigen Gespräche. Diese schärften meine Wahrnehmung und vergrösserten meinen Horizont zum Thema. Ich verdanke ihnen vieles. Doch leider war kaum jemand bereit, bei einem Fernsehfilm mitzuwirken.

Umso schöner ist es für mich, zwei Paare für den Film gewonnen zu haben, die bereit waren,  persönlich und nahegehend zu erzählen. Mich freute aussergewöhnlich, dass alle Protagonisten ein gutes Gespür dafür hatten, was man öffentlich erzählen kann, und wo es dann doch zu intim wird. Sie waren nie distanzlos. So lassen sie uns an ihren Leben teilhaben und bieten eine Reflexionsfläche für den Zuschauer.

Mir ist dieses Filmprojekt ein grosses Anliegen, weil die Erfahrungen, Sichtweisen und auch Leiden der Angehörigen oft zu wenig wahrgenommen werden, obwohl sie durch die psychische Störung ihres Partners an ihre Grenzen gelangen. Selbst das professionelle Umfeld, das die Erkrankten betreut, achtet häufig zu wenig auf den mitbetroffenen Partner und noch weniger auf die Kinder. Umso erfreulicher ist es, dass zunehmend dieses Thema an Bedeutung gewinnt, und die Angehörigen immer mehr von Fachleuten in den therapeutischen Prozess einbezogen werden.

Mitarbeiter

Buch, Regie, Montage und Produktion
Dieter Gränicher
Koautorin
Bettina Schmid
Kamera
Peter Indergand scs
Ton
Dieter Meyer
Sprecher
Yves Raeber
Tonschnitt und Mischung
Florian Eidenbenz

Produktionsangaben

Originalversion
HDCAM SR / Farbe / 16:9 / Stereo / 53 Minuten
Weitere Formate
DCP und DVD
Sprache
Schweizerdeutsch und Deutsch
Sprachversion
Deutsche Untertitel
Finanzielle Unterstützung
Kulturförderung Kanton St. Gallen, Ernst Göhner Stiftung, Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn, Alexis Victor Thalberg-Stiftung, Paul Schiller Stiftung, Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft, EHW-Stiftung, Gemeinde Küsnacht, Gemeinde Erlenbach, VASK Schweiz, VASK Zürich, Succès passage antenne
Produktion und Weltrechte
momenta film GmbH, Schweiz 2015
In Koproduktion mit
Schweizer Fernsehen SRF
Belinda Sallin und Urs Augstburger